AMZ-Beirat trifft neuen Wirtschaftsminister

Mitte November trat der AMZ-Beirat zum sechsten Mal zusammen. Im neu eröffneten August-Horch-Museum in Zwickau präsentierte Projektmanager Matthias Faust den Status Quo der Verbundinitiative im Jahr 2004. Nach diesem Fazit diskutierten die Beiratsmitglieder die künftige strategische Ausrichtung. AMZ befragte den Sächsischen Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, Thomas Jurk, anlässlich seines Treffens mit den Mitgliedern des AMZ-Beirates.

AMZ: Welchen Stellenwert messen Sie der Automobilindustrie für die sächsische Wirtschaft bei?

Thomas Jurk: Marken wie Volkswagen, BMW und Porsche, aber auch mehr als 450 Zulieferer und mehr als 65.000 Arbeitsplätze in der sächsischen Automobilindustrie sprechen für sich. Die Automobilindustrie ist ein besonders wichtiges Standbein und als innovative Branche auch ein wesentlicher Motor unserer wirtschaftlichen Entwicklung. Was hier in den vergangenen Jahren an Aufbauarbeit – auch von der Verbundinitiative AMZ – geleistet wurde und täglich geleistet wird, ist eindrucksvoll. Die Produkte der Automobilbauer sind unsere „Exportschlager“. Damit hat die Branche Sachsen wie kaum eine andere Anerkennung auf den internationalen Märkten gebracht.

Wo liegen langfristig Chancen und Potenziale für Zulieferer in Sachsen?

Die Stärken unserer Zulieferer liegen vor allem in der Fertigung. Unternehmen, die mit eigenem Können und Wissen neue Technologien oder kostengünstigere Fahrzeugteile entwickeln können, haben auch längerfristig gute Chancen, im Geschäft zu bleiben. Sie sind für ihre Auftraggeber nicht so leicht auswechselbar. Sachsen hat hochqualifizierte Fachkräfte und eine vielseitige Hochschullandschaft mit Lehrstühlen und Studiengängen, die für die Automobilindustrie interessant sind. Auch kleine Unternehmen haben also die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit anwendungsorientierten Forschern, Weltklasse-Lösungen zur Serienreife zu entwickeln. Nur mit herausragenden Produkten können wir die Erfolge von Unternehmen aus Sachsen auf ausländischen Märkten weiter erhöhen.

Welche Rolle spielt Ihr Engagement im Beirat der Verbundinitiative AMZ?

Im Beirat diskutieren Werkleiter und Geschäftsführer der großen Automobilfirmen und Vertreter der kleinen und mittleren Zulieferer, welche Weichen – auch wirtschaftspolitisch – gestellt werden müssen, um langfristig am Markt erfolgreich zu sein. Darum ist es für mich wichtig, dabei zu sein. Die Staatsregierung hat AMZ ins Leben gerufen, um die Entwicklungskompetenz vor allem in den kleineren Unternehmen zu stärken, um Systemanbieter und Modullieferanten zu etablieren und um Innovationsverbünde und Wertschöpfungsketten aufzubauen. In den Beiratssitzungen kann ich feststellen, ob wir mit unserer Unterstützung richtig liegen.

Von den Zulieferern werden zunehmend eigene Entwicklungsleistungen für den Markteintritt erwartet. Wird das sächsische Technologieförderprogramm besondere Möglichkeiten für Entwicklungsprojekte im Automobilbereich eröffnen?

Unsere Technologieförderung zielt auf Wachstum und mehr Beschäftigung. Darum haben Forschungs- und Entwicklungsprojekte Priorität, die kurz- oder mittelfristig zu Investitionen und Arbeitsplätzen in Sachsen führen. Die Automobilindustrie agiert weltweit in einem sehr harten Wettbewerb. Wer bestehen will, muss immer wieder neue Technologien und Produkte anbieten. Gute Chancen also für die Zulieferer, Förderung für ihre innovativen Vorhaben zu erhalten.

 

AMZ-BEIRATSMITGLIEDER ZU AMZ:

Jörg Baumheuer, Werkleiter Faurecia Leipzig: „Ein Hauptaugenmerk seiner Arbeit sollte AMZ auf die Unterstützung sächsischer Zulieferer legen, die bereits ein oder mehrere Produkte haben. Sie brauchen den Kontakt zu den strategischen Einkäufern der OEM und 1st-Tiers. Dabei kommt der Verbundinitiative eine Schlüsselfunktion zu, denn sie kann mithelfen, die Entscheider vom Mehrwert sächsischer Lösungen zu überzeugen.“

Carsten Prilop, Geschäftsführer Autoliv Sicherheitstechnik GmbH: „AMZ bringt die Branche zusammen, was sonst eher selten der Fall ist und nur aus eher zufälligen Beziehungen von Persönlichkeiten einzelner Unternehmen entsteht. Im Bundesvergleich wächst die Wirtschaft, speziell Automobil, erfolgreich und überdurchschnittlich. Das Land Sachsen versteht es, diesen Trend nicht als Zufallsergebnis, sondern als Strategie zu vermarkten. Dadurch entsteht ein positives und interessantes Image ‚Autoland Sachsen’. Das Erstaunliche dabei ist, dass dies auch von den Unternehmen getragen und gefördert wird. Und das sicherlich nicht zuletzt, weil es Institutionen und Projekte gibt, die den Kitt darstellen, der Wirtschaft und Politik sowie die Wirtschaft untereinander verbindet. Dazu gehört ganz sicher auch AMZ. Profitieren werden davon alle Seiten. Ich finde, dass sich der Aufwand dafür lohnt und sich bereits bezahlt gemacht hat. Ich bin nicht der Einzige, der Erfahrungen in anderen Bundesländern gemacht hat und hier in Sachsen angenehme Überraschungen erlebt.“

Dieter Pfortner, Geschäftsführer Magnetto Automotive Deutschland GmbH: „Die Verbundinitiative hat seit ihrem Bestehen 1999 nichts an Bedeutung verloren, wobei eine inhaltlich strategische Neuausrichtung diskussionsreif ist. Das Ziel sollte darin bestehen, neben dem bisherigen Schwerpunktthema der Netzwerkgestaltung zukünftig noch konzentrierter auf die Erfordernisse der Automobilhersteller einzugehen. Potenziale für eine solche AMZ-Neuausrichtung bestehen nach meiner Meinung u.a. in einer stärkeren Fokussierung auf gemeinsame Expertenkreisthemen zwischen OEMs und Zulieferern oder auch in der Schaffung einer erweiterten Plattform für Automobilzulieferer, um nicht nur Produkt- sondern auch Entwicklungs- und Qualitätsthemen stärker miteinander zu verbinden. AMZ sollte dabei eine Koordinierungs- bzw. Regulierungsfunktion einnehmen und sich noch stärker als der Ansprechpartner für die Automobilhersteller und -zulieferer verstehen. Eine noch ausbaufähigere Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit sollte dazu führen, dass AMZ in politischen und gesellschaftlichen Gremien noch stärker gehört wird und Anerkennung findet.“

Prof. Dr.-Ing. habil. Cornel Stan, Vorstand des Forschungs- und Transferzentrums e. V. an der Westsächsischen Hochschule Zwickau: „Eigenständige Forschung und Entwicklung für und in den sächsischen Zulieferbetrieben zu etablieren, betrachte ich als die langfristige Strategie, die AMZ verfolgen sollte. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, die Firmen, Hochschulen, Universitäten und Forschungsinstitute miteinander zu vernetzen. Denn nur mit innovativen Produkten lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit der sächsischen Zulieferindustrie nachhaltig sichern.“

Peter Claussen, Werkleiter BMW Werk Leipzig: „Unter den vorgegebenen Rahmenbedingungen meistert AMZ seine Aufgaben sehr gut. Für die Zukunft sollte die Verbundinitiative eine differenzierte Strategie verfolgen. Zum einen brauchen innovative Firmen eine besondere Unterstützung bei der Finanzierung ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Darüber hinaus gilt es, diesen Unternehmen bei der Markterschließung zu helfen. Zum anderen sehe ich eine Hauptaufgabe von AMZ darin, sächsischen Zulieferern den Zugang zu den entscheidenden Marktinformationen zu ermöglichen.“

 

Pressemeldung vom 01.02.2005

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