Genossenschaften – eine Antwort auf Globalisierung

Genossenschaften des MGV zogen in Chemnitz Bilanz / „MGV macht fit für den Markt“

„Die vergangenen Jahre haben so deutlich wie selten zuvor ge-zeigt, wie gut wir beraten sind, dem Leitbild unseres Verbandes und dem Geschäftsmodell der eingetragenen Genossenschaft treu zu bleiben – bei allen Erfordernissen von Veränderungen.“Als eine Antwort auf die Globalisierung bezeichnete MGV-Verbandspräsident Dietmar Berger das Wirken der Genossenschaften beim 19. Verbandstag des Mitteldeutschen Genossenschaftsverbandes am 16. September in Chemnitz: Der Sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich hielt, nachdem er dem zweiten Bürgerkonsum im Freistaat, der „Unser Laden Falkenau eG“, einen Besuch abgestattet hatte, eine Grußrede und stellte sich den Fragen der Verbandstagsteilnehmer.

„Die Idee der Genossenschaft ist alt und doch zeitgemäß, denn alle sollen von der gemeinsamen Arbeit profitieren. Eigentümer, Beschäftigte und Kunden gleichermaßen“, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich anlässlich des 20-jährigen Bestehens des MGV. Das heutige Genossenschaftswesen sei „integraler Bestandteil unserer sozialen Marktwirtschaft“ und „wegen ihres Erfolges weit über den Be-reich der Wohnungs- oder Konsumgenossenschaften hinaus verbreitet. Software-Häuser, Ärzte oder Dienstleister im Bereich der Erneuerbaren Energien organisieren sich erfolgreich nach dem genossenschaftlichen Prinzip.“ Tillich weiter: „Die Zahl der Genossenschaften wächst, sie sind stabiler und gehen seltener in die Insolvenz als andere Unternehmen. Sie sind als Arbeitgeber und Ausbildungsstätte begehrt, und sie sind oft wichtig für die lokale und regionale Entwicklung, für die Nahversorgung und Daseinsvorsorge. Kurzum: ein wichtiger und verlässlicher Baustein der sozialen Marktwirtschaft.“ Deshalb sei es wichtig, den Genossen-schaftsgedanken der jungen Generation näherzubringen.

„Der Geist der freien Genossenschaft ist der Geist der modernen Gesellschaft“ (Hermann Schulze-Delitzsch)

„Vor 160 Jahren formulierte der Genossenschaftsgründer Hermann Schulze-Delitzsch die Prinzipien des Genossenschaftswesens: Selbsthilfe,  Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. Von diesem Erfolgsrezept ist er nie mehr abgewichen“, so Präsident Berger. „Und wir sollten dies genauso wenig tun, denn nicht umsonst galten Genossenschaften in all den Jahren als wirtschaftliche Schule der Demokratie.“ Gerade weil Wirtschaft und Gesellschaft – insbesondere seit September 2008 – bis zum Heute erheblichen Veränderungen ausgesetzt waren, stehe Vieles, was bisher als wohlgeordnet galt, auf dem Prüf-stand. „Die staatlichen Gestaltungsmöglichkeiten sinken mit zunehmender Verschuldung, das teils blinde Vertrauen in die Gestaltungs-kompetenz der weltweiten Marktkräfte hat sich nicht nur als Trugschluss erwiesen, sondern ganze Länder an den Rand des Ruins geführt.“ Das Ergebnis des Glaubens an das Motto „der Markt regelt alles“ und des „freien Spiels“ der nationalen und internationalen Finanzmärkte ist eine gigantische Belastung der öffentlichen Haushalte und sind Verluste der Privatanleger, so Berger. Die Finanzkrise sei auch zur Sinnkrise der kapitalistischen Wirtschaft geworden. „Kann die reine Profitorientierung das alleinige Kriterium für die Wirtschaft bzw. den wirtschaftlichen Erfolg sein?“, fragte der Verbandspräsident. Aus all diesen Gründen gäbe es für immer mehr Men-schen als Alternative die Genossenschaft. Jede Genossenschaft – egal ob ländliche oder gewerbliche Produktivgenossenschaft, ob Einkaufs-, Liefer- oder Dienstleistungsgenossenschaft, ob Konsum- oder Kreditgenossenschaft – bedeutet Mitgestaltungsmöglichkeiten des Einzelnen und zugleich die Akzeptanz von Wettbewerb.“

Genossenschaften – eine beachtliche Wirtschaftskraft
Die erfolgreiche Entwicklung der 630 Verbandsmitglieder des Mitteldeutschen Genossenschaftsverbandes ist „Beleg für die Fähigkeit von Menschen, gemeinsame Interessen gemäß des formulierten Förder-auftrages zu verfolgen, Selbsthilfe zu organisieren und nachhaltige ökonomische Ziele zu verfolgen“, formulierte Dietmar Berger. „Gerade die Erfahrung, dass es möglich ist, in Genossenschaften wie der DREGENO Seiffen oder der Friweika Weidensdorf auch Menschen bzw. Unternehmen zu vereinen, die auf dem Markt als Wettbewerber auftreten, ist eine besondere Stärke der Genossenschaft.“

Der Förderauftrag gewährleiste die Förderung der Mitglieder statt der Maximierung der Kapitalrendite, sodass bei Genossenschaften „auch gesellschaftliche Belange, auf die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Ausbildung des eigenen Berufsnachwuchses großer Wert gelegt wird“.

Die 630 Mitgliedsgenossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen des MGV haben ca. 413 600 Einzelmitglieder, geben 16 300 Beschäftigten einen sicheren Arbeitsplatz und bilden derzeit mehr als 1 400 Lehrlinge im mitteldeutschen Raum aus. Für 2009 beträgt der addierte Jahresumsatz 1,9 Milliarden Euro, bei Einbeziehung von Mehrheitstochtergesellschaften erreicht der Gesamtumsatz sogar 3 Milliarden Euro. „Schon diese Zahlen zeigen den Stellenwert für die Mitglieder sowie die Familien der Beschäftigten bzw. Lehrlinge, den die Genossenschaften als regional orientierte Unternehmen haben. Hinzu kommt ihre Bedeutung als Steuerzahler sowie als Dienstleister für den Mittelstand und die Bevölkerung.“

Neue Genossenschaften unterstützen – Politik ist gefragt
„2009 haben wir 19 Genossenschaften bei ihrer Gründung erfolgreich begleitet, 2010 werden es 20 sein“, sagte Dietmar Berger. Was auffalle, sei, dass es in zunehmender Zahl Gründungen von Berufseinsteigern oder Unternehmensgründern im IT-Bereich, zur Energiegewinnung oder zur Lösung ehemals kommunaler Aufgaben sind. Jetzt gelte es, gesellschaftliche Probleme, die auf regionaler Ebene gelöst werden können, zu definieren und adäquate genossenschaftliche Lösungen dafür anzubieten. „Die Tatsache, dass das Gesundheitswesen vor großen finanziellen Herausforderungen steht, dass in ländlichen Gebieten Versorgungsfragen völlig offen sind, müsste doch durch Ärztegenossenschaften, Polikliniken als eG, genossenschaftliche Gemeindeschwester-Agnes-Verbünde oder genossenschaftliche  Versorgungszentren auf dem Lande zu lösen sein.“ Gerade in der Frage der Gesundheitsgenossenschaften seien die alten Bundesländer den hiesigen um „Meilen voraus“.

Der Verbandspräsident forderte von der Politik und insbesondere von den beim Verbandstag anwesenden Vertretern des Sächsischen und des Thüringischen Landtages, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Genossenschaften im Sinne der Chan-cengleichheit der Rechtsformen zu verbessern. Als Beispiele nannte Berger den Landerwerb von der BVVG, die Chancengleichheit für Ge-nossenschaften in der europäischen Agrarpolitik auch nach 2013 sowie die Mittelstandsförderung in Sachsen. „Wir brauchen nicht nur Diskussionen um Breitbandkabel, touristische Wanderwege und Rastplätze oder Kreisverkehre, sondern auch verlässliche Rahmenbedingungen und eine faire Teilhabe an der Wohl-standsentwicklung sowohl für die seit vielen Jahren erfolgreich am Markt agierenden Genossenschaften als auch für neu zu gründende.“ Dabei müsse man mit Realismus an die Dinge herangehen. „Wir dürfen nicht nur sagen, was wir nicht wollen, sondern müssen exakte Vorschläge machen, die fachlich untersetzt und gesellschaftlich konsens-fähig sind oder es werden können“, konstatierte der Präsident.

Mehr Zusammenarbeit der Verbände vonnöten
In Sachen Kooperation wandte sich der Verbandspräsident auch an die Vertreter der Landesbauernverbände, des Sächsischen Handwerkstages, die Handwerkskammern, die IHK sowie des RKW in Sachsen und Thüringen. „Im Interesse der mittelständischen Unternehmen müssen wir zu mehr Zusammenarbeit kommen.“ Das bedeute, in diesen Organisationen stärker über langfristig angelegte Kooperationsmodelle im Sinne von Unternehmergenossenschaften zum gemeinsamen Ein- und Verkauf, der arbeitsteiligen Produktion oder über gemeinsame Dienstleistungen nachzudenken und diese bei Gründungsüberlegungen ein-zubeziehen.

MGV – seit 20 Jahren erfolgreicher Prüfungs-, Beratungs- und Betreuungsverband
Um all die genannten Ziele weiter im Interesse der Verbandsmitglieder umsetzen zu können, „muss der MGV als mit der Region verbundener Dienstleister für Prüfung, betriebswirtschaftliche, rechtliche und steuerliche Beratung, für Aus- und Weiterbildung sowie als Interessenvertreter für die hiesigen Unternehmen in der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft fungieren“. Seine Nähe zu den Mitgliedern werde sich dabei auch in Zukunft als Vorteil bei der Unterstützung der Mitgliedsun-ternehmen erweisen. „Die genossenschaftliche Pflichtprüfung im Kontext mit unternehmensbezogener ganzheitlicher Betreuung und Beratung ist neben der täglichen Facharbeit der Genossenschafter der zweite Grund für die Fest-stellung, dass auch im Jahr 2009 die eingetragenen Genossenschaften wieder die insolvenzresistenteste Unternehmens- und Rechtsform war. Darauf können wir alle miteinander stolz sein“, schloss der Redner. „Der MGV ist wichtig, um Genossenschaften für Marktveränderungen fit zu machen.“

Der Mitteldeutsche Genossenschaftsverband

Der MGV ist der einzige länder- und spartenübergreifende genossenschaftliche Prüfungs- und Beratungsverband ohne Kreditgenossenschaften (als Erstmitglieder) und mit Sitz in den neuen Bundesländern. Seine satzungsmäßigen Hauptaufgaben sind: Prüfung, Beratung, Betreuung, Bildung und Interessenvertretung.

Im MGV sind 630 genossenschaftliche Unternehmen organisiert (Stand: 15. September 2010).
 
Darunter sind
• 228 Agrargenossenschaften (Mehr-Familien-Betriebe),
• 35 Raiffeisen Handels- und ländliche Dienstleistungsgenossen-
• Schaften,
• 177 Gewerbliche Genossenschaften,
• 16 Konsum- bzw. Verlagsgenossenschaften,
• 2 Zentralen,
• 23 Kreditgenossenschaften sowie
• 88 genossenschaftliche Tochtergesellschaften und Sonstige Mitglieder

Wirtschaftskraft der Genossenschaften:
• 413 600 Einzelmitglieder,
• 16 300 Beschäftigte,
• 1 400 Lehrlinge
• 1,9 Milliarden Euro – addierter Jahresumsatz 2009
• 3 Milliarden Euro – Gesamtumsatz 2009 (incl. Mehrheitstochtergesellschaften)

Für Ihre Fragen nehme ich mir gern Zeit:

RKW Sachsen GmbH Dienstleistung und Beratung
Frau Doris Hantscho
Fachgebietsverantwortliche Marketing
Tel.: 0351 8322-372
Fax: 0351 8322-48372
E-Mail: hantscho(at)rkw-sachsen.de

Pressemeldung vom 24.09.2010

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