Mit Strategie durch die Krise, Teil 1: So stellen Sie Ihr Unternehmen finanziell sicher auf

Nach den Konzernen ist die Rezession nun auch beim Mittelstand angekommen. Imgerade vorgelegten Jahreswirtschaftsbericht rechnet die Bundesregierung mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um deutlich mehr als zwei Prozent und laut aktuellem KfW-ifo-Mittelstandsbarometer befindet sich das Geschäftsklima nur sehr knapp über dem historischen Tiefstand von 2002. Was können mittelständische Unternehmen tun, um durch die Krise zu navigieren? Im ersten Teil dieser Fachartikelreihe haben wir die wichtigsten Strategien aus dem Finanzbereich zusammengestellt, in der nächsten Ausgabe lesen Sie mehr über Lösungsansätze aus Führung, Entwicklung und Marketing.

Viele kleine und mittlere Unternehmen suchen ihr Heil jetzt im Beschäftigungsabbau: Mehrheitlich geben die für das Mittelstandsbarometer befragten  Firmen an, dass sie Mitarbeiter entlassen wollen, um Kosten zu sparen. Doch ist dies eine eher kurzsichtige Lösung, die zwar kurzfristig die liquiden Mittel schonen mag, doch Zukunftsperspektiven verbaut. Unternehmen, die auch in Krisenzeiten erfolgreich sind, handeln tendenziell antizyklisch: sie setzen dem Abschwung positive Impulse entgegen. Vor allem aber haben sie ein funktionierendes Frühwarnsystem etabliert und betreiben professionelles Risikomanagement. Dabei bietet das RKW Sachsen umfassende Beratungsleistungen an.

Eigenes Risikomanagement verbessern

Für die Steuerung des Unternehmens durch konjunkturelle Krisenzeiten ist es wichtig zu erkennen, wann aus der allgemeinen Rezession die eigene Unternehmenskrise resultieren könnte. Bei drohenden Insolvenzen stellt sich fast immer heraus, dass das eigene Risikomanagement unzureichend war. Dabei werden grundlegende Finanz-Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote, die Kapitalrückflussquote, die Umsatzrendite, die Cash-Flow-Marge und der dynamische Verschuldungsgrad entweder nicht ausreichend oder vollständig richtig erhoben, oder aber Schieflagen zu lange ignoriert.

Für 2009 erwartet Creditreform ein Ansteigen der Unternehmensinsolvenzen auf bis zu 35.000 Fälle, weil sich bei den meisten Firmen die Finanzierungssituation verschlechtern und die Forderungsausfälle steigen werden.

Strategie: Controlling und Risikomanagement sind gerade jetzt Kernaufgaben unternehmerischen Handelns, denn die Sicherung der Liquidität ist angesichts der sich verschärfenden Kreditklemme überlebenswichtig für mittelständische Unternehmen.

  • Machen Sie das Risikomanagement mindestens mittels der grundlegenden Finanz-Kennzahlen auch zur Chefsache.
  • Verschärfen  Sie das Debitorenmanagement und halten Sie Ihr Rechnungswesen dazu an, Forderungen gegebenenfalls rascher und konsequenter durchzusetzen.
  • Bedenken Sie, ob sich angesichts der Gefahr steigender Forderungsausfälle die Übergabe des Forderungseinzugs an einen externen Dienstleister lohnt. Diese verzeichnen oft höhere Erfolgsquoten, da sie keine persönlichen Rücksichten auf gewachsene oder persönliche Kundenbeziehungen nehmen müssen. Selbst bei Ärzten und ähnlichen Berufsgruppen ist dies mittlerweile eine Selbstverständlichkeit ohne "emotionalen Kundenverlust".

Maßnahmen zur Liquiditätssteigerung ausschöpfen

Kurzfristige Maßnahmen des Krisenmanagements zielen vor allem auf eine Verbesserung der Liquidität. Prüfen Sie, ob beispielsweise folgende Maßnahmen für Ihr Unternehmen in Frage kommen:

  • Kapitalerhöhung,
  • Umschuldung,
  • Lieferantenkredite durch "Stillhalteabkommen"  mit Zulieferern, die Honorierungen stunden,
  • Verkauf von Vermögensteilen.

Alternative Finanzierungsmöglichkeiten prüfen

Bereits im Dezember 2008 rechneten 45 Prozent der vom Bundesverband befragten Klein- und Mittelbetriebe mit schlechteren Bedingungen für die Gewährung von Firmenkrediten, und eine Umfrage unter 2.500 Unternehmen (Impulse, 10/08) beweist, dass Kredite auch für kleinere und größere Unternehmen teuer und knapp werden.

Strategie: Ziehen Sie alternative Finanzierungsformen in Betracht:

  • Beteiligungen, Private Equity-Modelle und Mezzanine Gelder bieten Möglichkeiten, die Eigenkapitalquote zu erhöhen,
  • Leasing (siehe RKW Wirtschaftbrief xx),
  • Factoring, also der Verkauf von Außenständen an eine Factoringgesellschaft (siehe hierzu ausführlich RKW Wirtschaftsbrief xx 2007 und xx 2008),
  • Staatliche Fördermittel. Möglicherweise können Sie aktuell von Programmen wie dem Mittelstandsstabilisierungsprogramm Sachsen, dem KfW-Sonderprogramm 2009 und dem sächsischen Bürgschaftsprogramm BBS Liqui profitieren.

Förderpogramm des Freistaates Sachsens, der KfW und Bürgschaftsbank Sachsen

Um die Unterstützung des Freistaates Sachsen, der KfW und der Bürgschaftsbank Sachsen in Anspruch nehmen zu können, müssen Unternehmer nachweisen, dass ihre Firma erst durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten ist und dadurch Unterstützung benötigt.  Stichtag hierfür ist der 30. Juni 2008. 
Das RKW Sachsen verfügt über ein Rating - Methodeninstrument, mit welchem bei einem Unternehmensbesuch geprüft werden kann, ob die Förderprogramme in Anspruch genommen werden können.
Fragen Sie uns, wir unterstützen Sie und zeigen Ihnen den Weg auf, welcher der geeignetste ist.

Johann Varga
Tel.: 0351 8322-350
E-Mail: varga(at)rkw-sachsen.de

Mittelstandsstabilisierungsprogramm Sachsen

Ende 2008 trat das Mittelstandsstabilisierungsprogramm Sachsen in Kraft. Ziel: Sicherung der Kreditversorgung von gewerblicher Wirtschaft, Handwerk und freien Berufen. Förderfähig sind in diesem Rahmen:

  • die Finanzierung von zusätzlichem Betriebsmittelbedarf,
  • Umfinanzierung kurzfristig fälliger Passiva (außer Steuern, öffentliche Abgaben und Bankverbindlichkeiten) in längerfristige Verbindlichkeiten,
  • betriebsgerechte Umfinanzierung von Kontokorrentkrediten, soweit sich nach der Umschuldung das Hausbankenobligo im Gesamtengagement nicht vermindert,
  • Anschlussfinanzierung, d. h. Übernahme des Kreditengagements im Rahmen eines Hausbankenwechsels.

Ausgereicht wird die Förderung an das antragstellende Unternehmen als zinsgünstiges Darlehen der Sächsischen Aufbaubank – Förderbank (SAB) über seine Hausbank, die zudem eine Entlastungszulage in Höhe von 80 Prozent erhält.

KfW-Sonderprogramm 2009

Das Sonderprogramm steht Freiberuflern und gewerblichen Unternehmen (bis 500 Mio EUR Gruppenumsatz), die sich mehrheitlich in Privatbesitz befinden, mit Finanzierungsbedarf für Vorhaben in Deutschland zur Verfügung. Finanziert werden:

  • Investitionen, die einer mittel- und langfristigen Mittelbereitstellung bedürfen,
  • Betriebsmittel einschließlich Warenlager und sonstigem Liquiditätsbedarf, z. B. durch Anschlussfinanzierungen oder Verlängerungen.

Bürgschaftsprogramm "BBS Liqui"

Das Bürgschaftsprogramm der Bürgschaftsbank Sachsen steht kleinen und mittleren Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft zur Verfügung. Erfolgreiche Firmen mit  einem tragfähigen Unternehmenskonzept, die von der Finanzmarktkrise betroffen sind, können direkt bei der BBS (www.bbs-sachsen.de) oder über die Hausbank eine Bürgschaft für Betriebsmittelkredite oder Avale der Hausbanken beantragen. Im Rahmen dieses Programms übernimmt die BBS:

  • bis zu 80%ige Bürgschaften für Kreditsummen bis zu 1 Mio EUR: Antrag über die Hausbank,
  • Bürgschaft ohne Bank (BoB) bis 500.000 EUR (auf 2 Jahre befristet): Antrag bei der BBS direkt.
  • Außerdem: Halbierung der einmaligen Bearbeitungsgebühr auf 0,75 % des verbürgten Kreditbetrags zzgl. USt. (zunächst bis 31.12.2009).




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