10 Jahre Verbundinitiative Automobilzulieferer Sachsen

Ende der 1990er Jahre entwickelte die RKW Sachsen GmbH Dienstleistung und Beratung ein Konzept für die Arbeit einer sächsischen Automobilzulieferinitiative. In einer europaweiten Ausschreibung setzte sie sich mit ihrem Ansatz durch und erhielt 1999 vom Wirtschaftsministerium die Projektverantwortung für die Verbundinitiative Automobilzulieferer Sachsen.

Foto Ina Reichel: Frau Dr. Scholta und Herr Müller im Interview

Die Abkürzung AMZ bedarf in Fachkreisen mittlerweile kaum einer Erläuterung, denn die Initiative hat in einem Jahrzehnt Maßstäbe für eine erfolgreiche Clusterarbeit gesetzt.  Im Interview erläutern Helmut Müller, Geschäftsführer der RKW Sachsen GmbH, und AMZ-Projektmanagerin Dr. Claudia Scholta Hintergründe der erfolgreichen Arbeit von AMZ als Begleiter von der Idee zum SOP (Serienstart).

Im Interview erläutern Helmut Müller, Geschäftsführer der RKW Sachsen GmbH, und AMZ-Projektmanagerin Dr. Claudia Scholta Hintergründe der erfolgreichen Arbeit von AMZ als Begleiter von der Idee zum SOP (Serienstart).

In welcher Situation befand sich  die sächsische Automobilzulieferindustrie vor zehn Jahren?

Helmut Müller: Die Branche beschäftigte damals rund 34.000 Menschen, war sehr kleinteilig strukturiert und zu 60 bis 70 Prozent von nur einem Kunden abhängig. Im Sog der VW-Ansiedlung in Sachsen folgten bewährte Partner. Regionale Lieferanten hatten wenig Chancen. Unser Ziel war es, die einheimischen Zulieferer, Ingenieurunternehmen und Ausrüster zu echten Leistungspartnern für die OEM und First-Tier zu entwickeln, das Know-how für Lieferfähigkeit und Qualitätssicherung aufzubauen.

Wo steht die Branche heute?

Dr. Claudia Scholta: Heute arbeiten rund 60.000 Menschen in der sächsischen Automobilzulieferindustrie. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl pro Firma hat sich von 81 im Jahr 1999 auf 162 Ende 2008 verdoppelt. Die Unternehmen haben sich breiter aufgestellt, realisieren kaum mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes mit nur einem Kunden. Dazu hat der Aufbau von eigenem Entwicklungspotenzial beigetragen, das ergänzt wird in Forschungspartnerschaften mit Hochschulen und Instituten. Man kann mit Fug und Recht sagen: Die Zulieferer haben sich fest in der automobilen Wertschöpfungskette integriert.

Die Branche ist in der Globalisierung angekommen.  Wie hat AMZ diesen Prozess unterstützt?

Dr. Claudia Scholta: Die Schlüsselkompetenz der sächsischen Zulieferindustrie und damit der zentrale Ausgangspunkt der AMZ-Arbeit ist und bleibt die Innovation. Wir begleiten Unternehmen dabei, marktfähige Produkt- und Prozessentwicklungen zu erkennen und zu realisieren – von der Idee zum SOP, dem Serienstart. Die bis Ende Mai dieses Jahres initiierten 259 Kooperations- und Technologieprojekte besitzen ein Potenzial von ca. 2,6 Milliarden Euro an zusätzlichem Umsatz, der zum Teil schon vertraglich untersetzt ist.  Damit sind fast 4.400 neue Arbeitsplätze verbunden. Wir haben beispielsweise die Ansiedlung eines Airbag-Gasgeneratoren-Produzenten mit begleitet und die Entwicklung eines sächsischen Treibsatz-Lieferanten dafür unterstützt. Im Bereich Sonderfahrzeugbau konnten wir auch kleinen Handwerksfirmen helfen, mit Zulieferleistungen in automobilen Nischen Fuß zu fassen und neue Geschäftsfelder aufzubauen.

Helmut Müller: Basis für diese Ergebnisse ist, dass AMZ als neutraler Partner alle Themen sehr intensiv begleitet und mit den Firmen die Netzwerkphilosophie lebt. Auf diese Weise hat sich viel Vertrauen zwischen allen Beteiligten entwickelt. Die Unternehmen wissen, dass ihr Know-how gewahrt wird und sie von AMZ sowie dem RKW Sachsen konkrete Hilfe bei allen Fragen der Projekt- und Unternehmensentwicklung erhalten. Nicht zuletzt deshalb suchen viele Firmen immer wieder die Zusammenarbeit in einer der zahlreichen AMZ-Kooperationen.  

Neben der Innovation konzentriert sich AMZ auf die Themen Märkte und Personal. Weshalb halten Sie gerade in Krisenzeiten daran fest? 

Helmut Müller: Die Hersteller arbeiten trotz Krise an neuen Modellen und sächsische Zulieferer erhalten dank ihrer nicht zuletzt mit AMZ-Hilfe erworbenen Kompetenzen Entwicklungsaufträge dafür. Deshalb werden weiterhin gute Leute gebraucht. Ebenso ist es wichtig, den strategischen Blick gerade in einer Situation wie dieser zu weiten und neue Märkte ins Visier zu nehmen. 

Dr. Claudia Scholta: Die Unternehmen sind auch jetzt an Personalentwicklung interessiert. Besonders Spezialqualifizierungen zur Vermittlung neuer Technologien werden gut nachgefragt. Ebenso gibt es kaum Abstriche bei der Ausbildung. Sie wollen gut gerüstet sein für die Zeit nach der Krise. 
Frau Hantscho, ein Vorschlag: Falls gewünscht, können wir diese Studie hier nochmals anbieten; der Evaluierungsbericht passt ja sehr gut zur Interview-Aussage und dient der Bebilderung. Ihre Entscheidung, bitte

Wie gut sind die sächsischen Zulieferer denn gegen die Krise gewappnet?

Helmut Müller: Im Moment können sie noch von dem zehren, was sie in den zurückliegenden guten Jahren angespart haben. Doch das kann im zweiten Halbjahr schwieriger werden, wenn die Banken sich bei der Mittelstandsfinanzierung weiter zurückhalten. Wir stehen den Firmen natürlich auch hier zur Seite und bringen unsere Kompetenzen als mittelständisches Beratungs- und Dienstleistungshaus ein, um gangbare Wege zur Finanzierungssicherung zu finden. Ich bin sicher, die Sachsen werden auch in der Zukunft des deutschen Automobilbaus eine wichtige Rolle spielen, denn sie sind solide aufgestellt und haben gerade in den vergangenen Monaten viel zur Kostenoptimierung und zum Vertriebsausbau getan, um diese Zeit gut zu meistern.

Herr Müller, Frau Dr. Scholta vielen Dank für das Interview. 
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von „Autoland Sachsen“.

Weitere Informationen über AMZ erhalten Sie bei:
Dr. Claudia Scholta
Tel.: 0371 5347-368
E-Mail: scholta(at)amz-sachsen.de

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