Reaktionen auf die Finanzmarktkrise
Als sich im Sommer 2008 die Zeichen für eine Finanzmarktkrise manifestierten und damit mögliche Auswirkungen für die Wirtschaft deutlich wurden, richtete das RKW Sachsen eine Task-Force Gruppe ein, die seit dem durch den regelmäßigen Versand von Informationen an die Unternehmer, Verbände und Berater über Unterstützungsmöglichkeiten informiert. Erste positive Ergebnisse zeigen, wie wichtig die schnelle Reaktion war.
Seit November 2008 haben sich rund 1.100 kleine und mittlere sächsische Unternehmen (KMU) zum Thema Auswirkungen der Finanzmarktkrise mit dem RKW Sachsen in Verbindung gesetzt. 120 der rund 1.100 Unternehmen wurden intensiver betreut und betrachtet mit dem Ziel, im Rahmen der unmittelbaren Vor-Ort-Erfordernisse konkrete Lösungsmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.Für das Entwickeln der Lösungsmaßnahmen wurde unter anderem ausgewertet, in wieweit sich die Faktoren Auftragsentwicklung, Umsatz-entwicklung, Ertragsentwicklung und Kostenentwicklung verändert haben. Dabei wurden die Ergebnisse unter den Gesichtspunkten regionale Zuordnung, Branchen und Ursachen betrachtet. Eine Auswertung dieser Angaben lässt Schlussfolgerungen über die Situation der Unternehmen in ganz Sachsen zu.
Westsachsen am deutlichsten betroffen
Bei der regionalen Betrachtung zeigt sich, dass die Auswirkungen der Finanzmarktkrise besonders deutlich in Westsachsen (Region Chemnitz) zu spüren sind. Dort geben 53,2 % der befragten Unternehmen an, von der Wirtschaftskrise betroffen zu sein, im Vergleich zu 22,6% in Dresden und 24,2% in Leipzig. Diese Verteilung entspricht im Groben auch der Aufteilung der Wirtschaftskraft im Freistaat Sachsen. Hinsichtlich der Betrachtung in Branchen ergibt sich, dass mit 76,9 % produzierende und produktionsnahe Unternehmen sowie mit 23,1 % Dienstleister- und Logistikfirmen von der Krise betroffen sind.
Ursachen für Liquiditätsprobleme
Es mag verschiedene Gründe geben, warum ein Unternehmen während der Finanzmarktkrise in „Schieflage“ geraten ist, die mit Abstand häufigste Ursache ist jedoch Auftragsstornierungen durch Kunden. Dies gaben fast 50% der untersuchten Unternehmen an. Ablehnung von Krediten durch die Banken und fehlendes Eigenkapital folgen mit knapp 20% bzw. 18%. In der Folge bedeutet dies, dass die Abnehmermärkte für die produzierenden bzw. zuliefernden Betriebe gestärkt werden müssen. Zudem ist eine Prüfung, inwieweit den Unternehmen der Zugang zu finanziellen Fördermitteln weiter vereinfacht werden kann, sehr empfehlenswert. Immerhin geben rund 82% der befragten KMU an, dass sie auf Fremdmittel zurückgreifen müssen, um die Finanzierung ausreichend zu sichern.
Darin geben rund 26 % der Unternehmen an, ihren Betrieb auf Kurzarbeit umgestellt zu haben, um so die laufenden Kosten zu verringern. Insgesamt rund 25% der Betriebe haben Teile der Leiharbeiterschaft bzw. der Kernbelegschaft entlassen. Damit sind gut 50% der bestehenden Arbeitsplätze in Sachsen mittelbar oder unmittelbar von der Finanzmarktkrise betroffen. Ermutigend ist jedoch, dass rund 43% der Unternehmen keinerlei Maßnahmen ergriffen haben, die die Arbeitskräfte und deren Arbeitsplätze betreffen.
Neutraler Partner - RKW Sachsen unterstützt bei der Nutzung von Förderprogrammen
In ihrer Neutralität gegenüber Wirtschaft, Forschung und Politik ist die oberste Zielstellung des RKW Sachsen die umfassende Informationsversorgung sowie das Anbieten von Plattformen für Erfahrungs-, Wissens- und Meinungs-austausch. Die Task-Force-Gruppe des RKW Sachsen, eingerichtet als Reaktion auf die Finanzmarktkrise, informiert seitdem in einem regelmäßigen und umfassenden Versand von Informationen zu Hilfestellungen. Hierbei wurde unter anderem über die Möglichkeiten spezieller Förderprogramme aufgeklärt:
- dem Mittelstandsstabilisierungsprogramm des Freistaates Sachsen zur Kreditversorgung der gewerblichen Wirtschaft vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise,
- dem Bürgschaftsprogramm der Bürgschaftsbank Sachsen (BBS), welches kleinen und mittleren Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft zur Verfügung steht,
- dem Sonderprogramm 2009 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Dabei unterstützt das RKW Sachsen Unternehmen bei dem Prozedere der professionellen und schnellen Antragstellung für die Hilfsprogramme. Gleichzeitig managt und evaluiert das RKW Sachsen im Auftrag des Freistaates Sachsen als Qualitätssicherer in der geförderten Beratung den Prozess der eingesetzten Fördermittel im Rahmen der sächsischen Mittelstandsrichtlinie.
In einem weiteren Schritt wurden Gespräche an „Runden Tischen“ initiiert, bei denen Unternehmer, Banker und Politiker direkt miteinander ins Gespräch kamen und ihre Anliegen diskutieren konnten. Hauptthema der Firmen war hierbei in erster Linie die Sicherung von Liquidität. Darüber hinaus vermittelte das RKW Sachsen direkte Kontakte zwischen Kunden und Lieferanten, sodass akute Situationen behoben werden konnten. Gleichzeitig profitierten die Unternehmen von den umfassenden Informationsangeboten zu relevanten Eigenmaßnahmen wie Kurzarbeit sowie der entsprechenden Schulung der Arbeitskräfte.
Weiterbildungs- und Beratungsangebote des RKW Sachsen
Außerhalb der verschiedenen Förderprogramme, die der Freistaat Sachsen oder die KfW anbieten, hat das RKW Sachsen eine Exklusiv-Seminar-Reihe rund um das Thema Sanierung Konsolidierung entwickelt. Dabei werden folgende Themenschwerpunkte behandelt:
- Sanierung von Unternehmen in der Finanzmarktkrise aus Sicht der Banken
- Sanierung von Unternehmen in der Finanzmarktkrise als außergerichtliche Sanierung
- Sanierung aus Sicht der Unternehmen bei gerichtlicher Sanierung
Gleichzeitig unterstützt das Beraternetzwerk RKW Expert mit seinen auf Sanierung und Konsolidierung spezialisierten Beratern Firmen in schwierigen unternehmerischen Situationen gezielt mit:
- dem Erstellen von Sanierungskonzepten entsprechend der geforderten Standards, einschließlich Ist-Zustandsanalysen und Fortführungsprognosen,
- einer unterstützenden und begleitenden Beratung bei der Umsetzung, einschließlich der gemeinsamen Verhandlungen mit den Finanziers,
- Refinanzierungsberatungen.
Für Unternehmen in Schwierigkeiten bietet das RKW Sachsen ab dem II Quartal 2010 Vorprüfungen nach neuem ES 6 Standard an (überarbeiteter Standard „Anforderung an die Erstellung von Sanierungskonzepten“ durch das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW)).
Fazit: Mehr Beratung für KMU notwendig
Die Ergebnisse zeigen zwar deutlich, dass die kleinen und mittleren Unternehmen Sachsens sich auf die Wirtschaftskrise eingestellt haben und die Auftragseingänge seit Oktober 2009 wieder leicht ansteigen. Jedoch ist die finanzielle Situation der KMU keineswegs entspannt. Insgesamt wird sich die Liquiditätsproblematik bei den KMU in der Bilanzsaison 2009, also ab März 2010, noch verschärfen. Verringerte Eigenkapitalquoten und erhöhter Verschuldungsgrad werden dann in den Bilanzen sichtbar, was zu einer vermehrten Ablehnung von Krediten bei den Banken führen könnte.
Unsere Mitarbeiter der Task-Force Gruppe und unsere Berater stehen Ihnen daher jederzeit gerne zur Verfügung und bieten Ihnen Hilfestellung zur Sicherung sowie Stabilisierung Ihres Unternehmen.
Mit weiteren Informationen zu diesen strategischen Bereichen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung:
Matthias Meyer
Telefon: 0351 8322-371
E-Mail: meyer(at)rkw-sachsen.de
Kontakt
- Telefon: 0351 8322-30
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