"Chancen der Zusammenarbeit in Russland nutzen": Sächsische Automobilzulieferer bauen internationale Beziehungen aus

Wie können sächsische Automobilzulieferer die Chancen nutzen, die der wachsende russische Markt ihnen bietet - diese Frage wurde von Mitgliedern der Arbeitsgruppe Automobilzulieferer im RKW Sachsen e. V. (AMZ) und des Automobilclusters St. Petersburg auf einem "AMZ-Unternehmer laden ein - Special" in Leipzig lebhaft diskutiert.

Zur Leipziger Zuliefermesse im Februar widmeten sich im Rahmen eines "AMZ-Unternehmer laden ein - Special" besondere Gäste einem wirtschaftlich interessanten, grenzüberschreitenden Thema: Entscheider aus sächsischen Unternehmen kamen mit Automobilzulieferern aus der Region St. Petersburg zusammen, um Chancen zur Zusammenarbeit auf dem russischen Markt auszuloten. Organisiert hatten diese Informationsveranstaltung die Verbundinitiative Automobilzulieferer Sachsen (AMZ) und der Automobilcluster St. Petersburg mit Unterstützung des Büros der sächsischen Wirtschaft in Russland und der Leipziger Messe. AMZ-Projektmanagerin Dr. Claudia Scholta: "Die Verbundinitiative will generell die internationalen Beziehungen der sächsischen Automobilzulieferer ausbauen. Dabei sind die Aktivitäten zum Wachstumsmarkt Russland ein Schwerpunkt in der Arbeit."

Zulieferpark in St. Petersburg geplant

Valeriy Kiselevich, Vorsitzender Direktor des Automobilclusters St. Petersburg, beschrieb die Situation der Automobilzulieferer vor Ort und sprach vielfältige Einladungen nach Russland aus. Gegenwärtig produziert Ford in der Newa-Stadt. Toyota, General Motors, Nissan und weitere OEM (Original Equipment Manufacturer, Originalausrüstungshersteller)  planen oder errichten schon Werke in der Region.  Bis 2012 sollen im St. Petersburger Gebiet jährlich eine Million Autos gebaut werden - dafür ist es auch wichtig, dass Lieferanten vor Ort verfügbar sind. 30 Prozent Eigenanteil russischer Zulieferer fordert die russische Regierung. In St. Petersburg soll dafür in den nächsten drei Jahren ein Zulieferpark entstehen, in dem sich rund 60 Unternehmen ansiedeln werden. Dabei wird  vorwiegend an größere Betriebe mit hohem Umsatz gedacht, betonte Kiselevich. Der Automobilcluster verantwortet im Auftrag der Stadtverwaltung den Aufbau des Parkes und kann dabei auf das Interesse von Investoren aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern sowie aus Fernost verweisen. "Für die Umsiedlung von Produktionsstätten steht dem Cluster ein Fonds von derzeit rund 50 Millionen Dollar zur Verfügung".

Russische Firmen stellten sich vor

Zum "AMZ-Special" präsentierten sich u. a. Hersteller von Antriebskomponenten, elektronischen Baugruppen und Abgasanlagen sowie Anbieter von Laser- und Oberflächenschutztechnologien aus der Region St. Petersburg. Ihr Interesse ist darauf ausgerichtet, sich als Zulieferer und Dienstleister für internationale Automobilhersteller sowie Systemlieferanten zu qualifizieren und mit ausländischen Partnern zusammenzuarbeiten. "Dafür bietet sich der Automobilcluster St. Petersburg als Vermittler an", so Valeriy Kiselevich. Die Unterstützung gelte ebenso für den in der Diskussion angesprochenen Fall, dass ein Unternehmen aufgefordert sei, seinem Kunden nach Russland zu folgen. Wer Erfolg haben will, müsse mit einer langfristig angelegten Strategie direkt im Land tätig werden. Jetzt sei die Wettbewerbssituation günstig, in ein paar Jahren werde das anders sein, untermauerte der Cluster-Direktor seine Einladung für ein Engagement in Russland.

Viele Möglichkeiten - rege Diskussion

Die Möglichkeiten der eher mittelständisch strukturierten sächsischen Zulieferer auf dem russischen Markt standen im Fokus der regen Diskussion. Die Unternehmensvertreter aus Sachsen interessierten sich auch für die Lohnentwicklung und den Qualifizierungsstand der Arbeitskräfte im Raum St. Petersburg. Valeriy Kiselevich verwies darauf, dass bei den Löhnen in etwa sieben bis zehn Jahren eine Annäherung an Europa erfolgen könne. Er gab zu bedenken, dass beim Ausbildungsniveau einiges nachzuholen sei. Daran werde aber - mit Unterstützung des Clusters - gearbeitet.

Die Verbundinitiative AMZ plant die Fortsetzung dieses Dialoges.So sind weitere Veranstaltungen im September 2008 zum "Industrietag Russland" in Sachsen sowie mit einem sächsischen Gemeinschaftsstand zur Automobilmesse St. Petersburg im März 2009 vorgesehen.

Haben Sie Fragen zu diesem Thema, dann wenden Sie sich an:
Dr. Claudia Scholta
RKW Sachsen GmbH Dienstleistung und Beratung
Projektkoordinatorin AMZ
Tel.: 0371 5347-368
E-Mail: scholta(at)rkw-sachsen.de

Artikel vom 16.06.2008

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