RKW Sachsen Jahrestagung am 24. Juni 2008 - Erfolgsrezepte gegen Fachkräftemangel

Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Wirtschaftswoche (http://www.wiwo.de/politik/fachkr-ftemangel-in-der-wirtschaft-versch-rft-sich-298813/) können fast 60 Prozent der mittelständischen Unternehmen freie Stellen nicht besetzen. Rund jede dritte der befragten 450 Firmen musste wegen des Fachkräftemangels bereits Aufträge ablehnen. Doch es gibt Erfolgsmodelle, die zeigen, wie der Mittelstand im Wettbewerb um hochqualifizierte Mitarbeiter und junge Talente punkten kann. Diese standen im Mittelpunkt der Jahrestagung des RKW Sachsen e. V. und der RKW Sachsen GmbH. Der Dienstleister für Beratung und Fachkräftequalifizierung bot im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden am 24.06.2008 rund 400 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Forschung die Gelegenheit, Best-Practice-Beispiele aus kleinen und mittelständischen Unternehmen kennenzulernen und zukunftsfähige Lösungen zu diskutieren.

Mitgliederversammlung

Dynamische Entwicklung beim RKW Sachsen

Dietmar Berger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des RKW Sachsen Rationalisierungs- und Innovationszentrum e. V., begrüßte die Gäste und blickte auf die Arbeit des letzten Jahres zurück. Helmut Müller, Geschäftsführer der RKW Sachsen GmbH Dienstleistung und Beratung (100%-ige Tochter des RKW Sachsen e. V.), stellte deren Aktivitäten 2007/2008 vor. Seine Bilanz: Das RKW Sachsen leistet vor allem grundlegende strategische Beratung und hilft Unternehmen auf dem Weg zu Konsolidierung und Wachstum. So wurden im vergangenen Geschäftsjahr über 1.000 Unternehmen unterstützt und beraten. Gleichzeitig nutzten rund 4.800 Teilnehmer die etwa 500 Seminar- und Lehrgangsangebote.

Seit dem letzten Geschäftsjahr ist das RKW Sachsen mit einer Niederlassung in Bayern vertreten. Auch hier wurden die ersten Qualifizierungsmaßnahmen sehr gut angenommen.

Jahrestagung des RKW Sachsen

Auf der anschließenden Jahrestagung des RKW Sachsen verdeutlichten hochrangige Redner, dass die mittelständischen Unternehmen im Kampf um qualifizierte Nachwuchskräfte eine Reihe von Trümpfen ausspielen können – wenn sie von Staat und Gesellschaft entsprechend unterstützt werden.

"Verantwortung der Unternehmer"

Hans Jochen Henke, Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU e. V., hob in seinem Impulsvortrag auf der Jahrestagung hervor, dass Deutschland durch die Leistung der einheimischen Unternehmer zum Exportweltmeister wurde – ein Grund zum Stolz. Doch entspreche diese Erfolgsgeschichte nicht der augenblicklichen verdrießlichen Stimmung im Land. Künftige wirtschaftliche Dynamik basiere aber auf Mut, Leistungsfreude und Risikobereitschaft. Henke: "Nur, wenn wir es schaffen, bereits in jungen Jahren Interesse und Neugier am wirtschaftlichen Geschehen, an Unternehmertum und Naturwissenschaften zu wecken, wird es gelingen, die Anzahl der Studenten und Auszubildenden in den wirtschaftsrelevanten Kernfächern zu erhöhen und die Grundlagen für Risikobereitschaft und Eigenverantwortung zu legen."

"Ausbildung und Mitarbeiterbindung"

Bodo Finger, Präsident der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft e. V., führte diese Gedanken für den Standort Sachsen fort. Traditionell ein Land der Erfinder und Tüftler, habe Sachsen heute wieder an diese Geschichte angeknüpft. Die dynamisch wachsende Wirtschaft finde eine moderne Infrastruktur und hochqualifiziertes Fachpersonal vor. Dass dies so bleibt, dafür könne nur ein leistungsfähiges Bildungs- und Weiterbildungssystem sorgen. Frühzeitige Begabtenförderung, stetige Weiterbildung von Mitarbeitern, Qualifizierung von Arbeitssuchenden und die Rückwanderung von Sachsen aus der Ferne benannte Finger als Wege zur Deckung des Fachkräftebedarfs. "Der Freistaat bietet attraktive Jobs mit langfristigen Perspektiven, ein lebenswertes Umfeld, hohe kulturelle Vielfalt. Diese Vorteile müssen wir stärker kommunizieren", so sein Appell.

"Familienfreundlichkeit zählt"

Unternehmer Dr. Eberhard Reißmann von der Xenon Automatisierungstechnik GmbH Dresden berichtete über die Mitarbeiterbindungsprogramme in seinem familienfreundlichen Unternehmen wie Vaterschaftsurlaub, Extrageld für Kinder und die Kostenübernahme für den Besuch von Kindertagesstätten, vergünstigte Kredite und viele gemeinsame Freizeit- und Sportangebote.

"Spektakulärer als die Konkurrenz sein"

Im Mittelstand geht die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Hand in Hand mit der Gestaltung eines attraktiven, leistungsfördernden und familienfreundlichen Arbeitsklimas. Das ist die Überzeugung von Wolfgang Jassner, Geschäftsführer bruno banani underwear GmbH Chemnitz. 1993 gründeten Wolfgang Jassner und Klaus Jungnickel die Firma, die es inzwischen zur Kultmarke und zur Marktführerschaft im Segment Designer-Underwear gebracht hat. Zusatznutzen für die Mitarbeitergewinnung: Das spektakuläre Image der Marke zieht junge, erfolgsorientierte Menschen als Bewerber an.

"Vorteile von Netzwerken im Personalmanagement"

Dr. Claudia Scholta, Projektmanagerin der von der RKW Sachsen GmbH getragenen Verbundinitiative Automobilzulieferer Sachsen (AMZ), erläuterte die Vorteile von Netzwerken wie dem AMZ beim strategischen Personalmanagement. Um hochqualifizierte Arbeitnehmer zu finden, werden zunächst zukunftsorientierte Qualifikationsprofile entwickelt, in die Erfahrungen von Personalentwicklern der Automobilindustrie einfließen. Um potenzielle Nachwuchskräfte für diese Profile zu gewinnen, können sie beispielsweise zwischen Studium und Berufseinstieg als Trainee im Zuliefernetzwerk praktische Erfahrungen sammeln.

ProfiSachs soll Fachkräfte binden

Mit der Fachkräfteinitiative ProfiSachs wollen die sächsischen Verbundinitiativen Automobilzulieferer Sachsen (AMZ), Maschinenbau Sachsen (VEMAS), Bahntechnik und Technische Textilien Unternehmen im langfristigen Personalmanagement unterstützen. Brigitte Mählisch, Leiterin der Niederlassung Chemnitz RKW Sachsen GmbH Dienstleistung und Beratung, stellte die Initiative, die im Auftrag des Sächsischen Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit realisiert wird, vor. Sie wird das Know-how der Verbundinitiativen zur Bewältigung der Fachkräfteproblematik zusammentragen und in Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen und der Wirtschaftsförderung hochqualifizierte Absolventen im Freistaat halten.

Sommerfest

Bei sonnigem Wetter eröffnete Helmut Müller das sich an die Jahrestagung anschließende Sommerfest des RKW Sachsen im Innenhof des Hygiene-Museums. Pantomimen empfingen die Gäste, die den Event eifrig zum Netzwerken, Kennenlernen und Gedankenaustausch nutzten. Bei einem köstlichen Grillbuffet, Kaffeespezialitäten und Cocktails von der Bar wurde es ein genussreicher Abend. Das Hotspurs Swing and Dance Orchestra sorgte für beschwingte Laune und einen stimmungsvollen Abend.

Wir danken unseren Sponsoren für die freundliche Unterstützung.

Artikel vom 04.08.2008

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