AMZ-Symposium Digitale Fabrik
Bevor überhaupt ein Prototyp existierte, haben Entwickler, Fabrik- und Produktionsplaner bei Audi genau gewusst, wie der neue A 3 aussieht und wie er zu produzieren ist. Die Digitale Fabrik macht es möglich. Lange vor dem ersten Spatenstich für Fertigungshallen und Anlagen können Produktions- und Logistikprozesse mit diesem Planungswerkzeug digital dargestellt und abgesichert werden. Das reduziert den Planungsaufwand erheblich, im Falle der Audi A 3-Produktion um rund 30 Prozent. Dadurch wurde beim Produktionsanlauf des neuen Modells die Kammlinie, also die maximale Produktionskapazität, bereits nach vier Monaten erreicht - so schnell wie noch nie bei Audi.
Umfangreiche Erfahrungen zum Thema Digitale Fabrik hat Ingolf Grüßner bei diesem Projekt gesammelt. Der junge Sachse war von März 2000 bis März 2003 Projektleiter „Digitale Fabrik im Karosseriebau“ bei Audi Ingolstadt. Seit April diesen Jahres bringt er seine Erfahrungen dazu als Leiter Engineering Querschnittsprozesse bei der EDAG AG Fulda ein. Er weiß, wovon er spricht, wenn er sagt: „Die Digitale Fabrik ist in aller Munde – aber noch nicht in allen Köpfen.“ Das zeigte sich auch während des AMZ-Symposiums zur Digitalen Fabrik Anfang Oktober in Chemnitz. Rund die Hälfte der aus allen Teilen der Bundesrepublik angereisten Fachleute nahm das erste Mal an einer derartigen Veranstaltung teil. Zum Beispiel Helmut Stolle, Leiter Werksplanung bei der Wilhelm Karmann GmbH Osnabrück: „Die Digitale Fabrik steckt noch in den Kinderschuhen. Deshalb gab es bisher auch kaum Fachveranstaltungen dazu. Das AMZ-Symposium kann man hierbei als echten Vorreiter bezeichnen. Wir brauchen das Wissen und den Erfahrungsaustausch, denn unsere Kunden verlangen tragfähige Lösungen zu diesem Thema.“
Das AMZ-Symposium führte in einem ersten Schritt vor allem OEMs, Engineering-Unternehmen und Anlagenlieferanten zusammen. Nichts desto trotz macht dieses Thema vor den Teilezulieferern nicht halt. „Nur wenn neue Produkte entwickelt und nach modernen Technologien gefertigt werden, können Zulieferer bei den nächsten Fahrzeuggenerationen von Anfang an in den Entwicklungsprozess mit einbezogen werden und ihren Platz in der Wertschöpfungskette sichern“, macht AMZ-Manager Matthias Faust die Notwendigkeit deutlich.
„Wir wollen mit der Digitalen Fabrik eindeutig die Planungsqualität erhöhen“, nannte Armin Schäfer das Ziel, welches DaimlerChrysler mit der Nutzung digitaler Planungswerkzeuge verbindet. Daran arbeitet gegenwärtig ein Team mit rund 70 Mitarbeitern der verschiedenen Konzern-Fachabteilungen sowie von Zulieferern. Durch die Optimierung von laufenden Montageprozessen konnte bei DaimlerChrysler die Anlagenauslastung von 70 auf 94 Prozent erhöht werden.
Auch bei Opel stehen die Fehlerfrüherkennung im Planungsprozess und die Vermeidung von hohen Änderungskosten im Fokus. Thorsten Weber, Projektleiter Bereich Virtuelle Fabrik, konnte handfeste Zahlen vorweisen. Während bei der Einführung des neuen Vectra rund 300 Millionen Euro an Änderungskosten zu Buche schlugen, hat sich diese Summe beim neuen Astra auf 70 Millionen reduziert.
Kürzere Entwicklungszeiten bei steigender Produktkomplexität, fasst Stefan Pohlmann, Leiter der Werksstrukturplanung des BMW-Werkes Leipzig, die Erfahrungen der BMW-Group zusammen. Einheitliches Datenmanagement war dabei eine zentrale Fragestellung des Symposiums. „Herausforderung ist es eigentlich, losgelöst von Experten-CAD-Systemen den Planern und Zulieferern die unterschiedlichen Daten in der PC-Arbeitsumgebung zur Verfügung zu stellen. Das könnte zum Beispiel in einem gemeinsamen Viewer geschehen“, schlägt er einen Weg zur Lösung einer der gegenwärtig meistdiskutierten Fragen der Digitalen Fabrik vor. Ziel muss es sein, so Pohlmann weiter, die Tools der Digitalen Fabrik in die Standardplanungs- und Betriebsprozesse der OEMs und Zulieferer zu überführen.
Für 2004 bereitet das AMZ-Team ein zweites Symposium vor.
Informationen dazu unter:
Tel.: 0371 5347-393
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