Sichere Geschäfte dank Warenkreditsicherung & Co.
Jedes Unternehmen, das eine Ware liefert oder eine Dienstleistung auf Rechnung erbringt, muss sich gegenüber dem Risiko einer unbezahlt bleibenden Forderung absichern. Das RKW Sachsen, Mitglied in der Arbeitsgruppe "Bestandsentwicklung und -sicherung" des Kommunalforums für Wirtschaft und Arbeit Dresden, berichtet über Warenkreditversicherungen.
Für das Jahr 2010 rechnet die Deutsche Bundesbank mit einer deutlichen Erholung der Gesamtwirtschaft und einem BIP-Wachstum um 1,6 Prozent. Da die Liquiditätsreserven durch aufgelaufene Verluste in der zurückliegenden Krise nicht selten völlig aufgezehrt sind, sind viele Unternehmen zur Finanzierung der wieder steigenden Umsätze auf Fremdkapital angewiesen. Gleichzeitig haben sich die Finanzierungsbedingungen für den Mittelstand durch die mit der Finanz- und Wirtschaftskrise einhergehenden Bonitätsveränderungen in weiten Teilen der Unternehmenslandschaft verschlechtert. Spätestens, wenn den Banken die Jahresabschlüsse für das Jahr 2009 vorgelegt werden, sind Kreditreduzierungen, zusätzliche Sicherheiten oder zumindest verschärfte Kreditbedingungen mit erhöhten Zinsen zu erwarten.
Bedeutung von Lieferantenkrediten
Eine Folge dieser Entwicklung ist die vermehrte Nutzung von Lieferantenkrediten, bei denen sich Unternehmen über die gegenseitige Belieferung und die Gewährung von Zahlungszielen gegenseitig Geld leihen. Auch wenn die Kreditversorgung der Unternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung oftmals auf die Geldkreditversorgung seitens der Hausbanken reduziert wird, sind diese Lieferantenkredite in der Finanzierungspraxis der Unternehmen viel bedeutsamer als der Geldkredit. Lieferantenkredite machen aktuell rund zwölf Prozent der Bilanzsumme der deutschen Kapitalgesellschaften aus, bei kleinen und mittleren Unternehmen sind es sogar 18 Prozent. Kurzfristige Bankverbindlichkeiten schlagen dagegen nur mit 4,3 Prozent zu Buche.
Anstieg der Ausfallrisiken
Lieferantenkredite basieren vor allem auf dem Entgegenkommen und Vertrauen des jeweiligen Vertragspartners, der mit der Gewährung von Lieferantenkrediten Ausfallrisiken eingeht. „Dass die Ausfallrisiken im letzten Jahr gestiegen sind, zeigt schon der Wiederanstieg der Unternehmensinsolvenzen auf rund 34.000 Fälle. Gestiegen ist auch der Creditreform Risiko-Indikator. 2,3 von 100 Unternehmen wiesen in den vergangenen zwölf Monaten ein Negativmerkmal wie massiven Zahlungsverzug oder einen Insolvenzantrag auf. Für das laufende Jahr ist – parallel zur Entwicklung bei den Unternehmensinsolvenzen – mit einem weiteren Anstieg der Ausfallrisiken zu rechnen“, so Thomas Schulz, Leiter Produkte und Prozesse, Creditreform Dresden. Um das System der gegenseitigen Unternehmensfinanzierung über Lieferantenkredite zu stabilisieren, müssen die vorhandenen Ausfallrisiken identifiziert und gesteuert werden. Dafür eignen sich Wirtschaftsauskünfte oder die klassische Warenkreditversicherung. Letztere bietet Unternehmen Schutz vor Forderungsausfällen aus Lieferungen von Waren und Dienstleistungen ins In- und Ausland. Sie sichert den Lieferanten also dagegen ab, dass sein Kunde die gelieferte Ware nicht bezahlt und gibt ihm auf diese Weise Planungssicherheit.
Prinzip Warenkreditversicherung
Das Prinzip ist einfach: Jeder Abnehmer wird vor Auftragsbestätigung vom Kreditversicherer geprüft. Auf dieser Basis wird über die individuelle Deckung entschieden. Dabei fließen nicht nur Wirtschaftsinformationen von Auskunfteien wie Creditreform ein, sondern vor allem Informationen aus bisherigen Erfahrungen des Versicherers mit dem jeweiligen Abnehmer und Prognosen über dessen zukünftige Bonität. Zahlungsschwierigkeiten potenzieller Abnehmer können so frühzeitig erkannt werden. Ist eine Insolvenz dann doch einmal nicht vorhersehbar, springt der Kreditversicherer ein und erstattet in der Regel 80 bis 90 Prozent der ausstehenden Forderung. Damit sind Unternehmer gegen Liquiditätsengpässe, Ertragseinbußen oder eine Insolvenz infolge ausstehender Zahlungen abgesichert. „Angesichts der weiterhin angespannten Wirtschaftslage und gestiegener Ausfallrisiken kann der Steuerungsmechanismus einer Warenkreditversicherung allerdings nur dann greifen, wenn die Kreditversicherer rechtzeitig und umfassend über alle relevanten Unternehmenskennzahlen informiert werden. Vor allem die vollständigen Bilanzen der Abnehmer sowie Informationen zu deren Liquiditätslage sind ein wesentlicher Bausstein einer soliden Risikoeinschätzung und damit Grundlage für die Gewährung von Deckungsschutz“, so Andreas Nintemann, Vertriebsdirektor bei der Atradius Kreditversicherung.
Absicherung gegen Zahlungsschwierigkeiten
Während heutzutage praktisch jedes Großunternehmen in Deutschland eine Forderungsausfallversicherung abgeschlossen hat, sind es im Mittelstand dagegen nur weniger als ein Drittel der Unternehmen, die sich gegen Zahlungsschwierigkeiten ihrer Kunden absichern. Flexible und praxistaugliche Konzepte sind also gefragt, um den Bedürfnissen kleinerer Unternehmen gerecht zu werden und ihnen bezahlbare Schutzmaßnahmen zu ermöglichen. Für mittelständische Unternehmen, die sich vor allem gegen Forderungsausfälle ihrer wichtigsten Abnehmer schützen und gleichzeitig die Kosten ihrer Verbindlichkeiten senken wollen, bietet sich eine Kombination aus Forderungsausfallversicherung und Wirtschaftsauskunft an. Dabei wird der größte und wichtigste Teil der Außenstände über eine klassische Kreditversicherung abgedeckt. Die weiteren Forderungen werden durch Wirtschaftsauskünfte überwacht. Neben dem kurzfristigen Schutz vor Forderungsausfällen ergeben sich für das Unternehmen auch Finanzierungsvorteile. So stärkt die Zusammenarbeit mit einem Kreditversicherer erfahrungsgemäß auch die Verhandlungsposition mittelständischer Unternehmen bei den Gesprächen mit den Hausbanken. Mit einem weitgehend abgesicherten Forderungsbestand im Rücken, der mit professioneller Bonitätsprüfung und -überwachung der Kunden kombiniert ist, kann der Unternehmer aus einer relativen Position der Stärke heraus oft günstigere Konditionen aushandeln.
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Jürgen Zuschke
Bereichsleiter Qualitätssicherung geförderte Beratung
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