Kommunikation mit der Hausbank
Im zweiten Teil der Serie des Kommunalforums für Wirtschaft und Arbeit in Dresden sollen die Unternehmen für eine bessere Kommunikation
ihrer wirtschaftlichen Lage gegenüber den Banken sensibilisiert werden. Eine offene und regelmäßige Kommunikation im Vorfeld
ist unterstützend, wenn zu einem späteren Zeitpunkt Finanzierungen in Anspruch genommen werden sollen.
Bei der Diskussion über eine mögliche Kreditklemme wird als Hauptursache häufig der Mangel an Eigenkapital aufseiten der kreditgebenden Banken angeführt. Dieser Erklärungsansatz blendet allerdings aus, dass die Kreditverknappung auch das Resultat neuer Kreditregeln und Ratingsysteme ist, die bei der Beurteilung mittelständischer Unternehmen zum Einsatz kommen.
Von zentraler Bedeutung sind dabei neue Vorschriften, wie die Eigenkapitalrichtlinien nach Basel II und die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk). Die auf diesen Normen basierenden Ratingsysteme müssen sich derzeit erstmals unter Krisenbedingungen bewähren. "Es ist zu befürchten, dass sich das Kreditrating bei knapp 80 Prozent aller Unternehmen in Folge der Wirtschaftskrise bereits deutlich verschlechtert hat oder sich spätestens bei der Bewertung auf Basis der Geschäftszahlen für 2009 verschlechtern wird. Die Folgen werden unter anderem Änderungen bei den Konditionen, die Kürzung von Kreditlinien und eine Neubewertung von Sicherheiten sein", so Thomas Schulz, Prokurist von Creditreform Dresden.
Offene und intensive Finanzkommunikation
Unternehmen, die dieser Entwicklung entgegenwirken wollen, können sich über eine offene Finanzkommunikation gegenüber ihrer Hausbank aktiv in die Steuerung ihres Kreditratings einbringen. Grundvoraussetzung dabei sind Kenntnisse über die Funktionsweise und die Einflussfaktoren des bankinternen Ratingsystems. Denn neben den klassischen Finanzkennziffern berücksichtigen moderne Ratingsysteme bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit auch Kriterien wie Managementqualität, Marktumfeld, Investitionsplanung oder unternehmensspezifische Risiken. "Stellt uns ein Mittelständler hierzu regelmäßig aktuelle Kennzahlen zu seinem Unternehmen zur Verfügung, ist die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gelegt. Mit klarer Sicht auf die tatsächliche Lage des Unternehmens können dann mögliche Finanzierungsszenarien entworfen werden, die der jeweiligen Unternehmenssituation gerecht werden", so Jens Kobarg, Direktor Unternehmenskunden der Ostsächsischen Sparkasse Dresden.
Dass die offene und intensive Finanzkommunikation zwischen Unternehmen und Bank ein Erfolgsrezept ist, bringen die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts für Kredit- und Finanzwirtschaft der Ruhr- Universität Bochum (IKF) auf den Punkt: Firmen, die ihre Kapitalgeber nicht nur mit Routineinformationen wie Bilanz und GuVRechnung versorgen, sondern sie zeitnah, umfassend und persönlich informieren, haben Vorteile bei der Finanzierung ihres Geschäfts. Sie müssen in der Regel weniger Sicherheiten stellen, haben mehr Mittel zur Verfügung und können in Notfällen mit Hilfe rechnen. Die Studie belegt aber auch, dass es zwischen den Geschäftspartnern oft noch eine dramatische Kommunikationsklemme gibt, die sich in der globalen Finanzkrise zu einer Kreditklemme ausweiten kann.
Ganzheitliche Beratung als Partner der Unternehmer
Die meisten Unternehmer wissen nicht, dass weitere Informationen an die Banken das Vertrauensverhältnis verbessern können und zögern, detaillierte Informationen über die eigene wirtschaftliche Entwicklung regelmäßig zur Verfügung zu stellen. "Deshalb ist unser ganzheitlicher Beratungsansatz daran orientiert, den Unternehmer vollumfänglich zur Seite zu stehen und die Vor- und Nachteile deutlich zu kommunizieren", so Johann Varga, Bereichsleiter RKW Expert der RKW Sachsen GmbH. Die Finanzierungsberatung, ein Schwerpunkt des Beraternetzwerkes RKW Expert (http://www.rkw-expert.de/sachsen), wird von Finanzierungsspezialisten durchgeführt. Es beinhaltet neben einer ratingorientierten Risikoanalyse zur Optimierung der Finanzierungskosten, der Ermittlung alternativer Finanzierungsinstrumente und Restwertmanagement oder der Optimierung der Finanzstruktur auch die Beziehung zu den Banken. Johann Varga: "Wenn sich Unternehmer unsicher sind, sensibilisieren wir sie für eine regelmäßige und über die allgemeinen Informationen hinausgehende Kommunikation mit den Banken."
Transparenz – ein Trumpf
Mit einem Plus an Transparenz gegenüber der Hausbank leisten Mittelständler einen wichtigen Beitrag dazu, vorhandene Kommunikationsdefizite abzubauen. Gleiches gilt für den Informationsaustausch mit Wirtschaftsauskunfteien und Warenkreditversicherern. Auch hier trägt ein offensiver Umgang mit den eigenen Kennzahlen dazu bei, die Kreditwürdigkeit zu kommunizieren und Finanzierungsmöglichkeiten auszubauen. Dabei sollten immer auch solche Themen zur Sprache kommen, bei denen Defizite vermutet werden. Hier sind etwa unternehmerische Langfristperspektiven in Familienbetrieben, eine ausreichende Eigenkapitalausstattung, strategische Konzepte in der Unternehmensführung und die Offenheit in der Kommunikation zu nennen. Darüber hinaus sollte die wirtschaftliche Situation des Unternehmens in allen Facetten offengelegt und regelmäßig über die strategische Entscheidungen und die geschäftliche Entwicklung informiert werden. Dass dies auch im Fall einer negativen Unternehmensentwicklung gilt, muss in der Finanzkommunikation zwischen Unternehmen und Interessengruppen, wie Banken oder Wirtschaftsauskunfteien, zur Normalität werden.
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