Das Gleichgewicht zwischen Flexibilität und Stabilität finden
Fachforum KMUflex stellte erste Ergebnisse des gleichnamigen Bundesprojektes vor
Unternehmen sind ständig gefordert, sich auf neue Situationen einzustellen. Dieser Änderungsdruck ist nicht nur in Krisenzeiten gegeben. Während Konzernen eine Bandbreite an Instrumenten für die Flexibilisierung von Organisations- und Managementprozessen zur Verfügung steht, können kleine und mittlere Unternehmen eine solche Palette nur eingeschränkt nutzen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „KMUflex – Stabilitätsförderliche Flexibilisierungsstrategien in industriellen KMU-Kompetenzzellen“ geht deshalb der Frage auf den Grund, wie in KMU Flexibilität als Erfolgsfaktor gestaltet werden kann. Das von 2009 bis 2013 laufende Verbundvorhaben wird von der RKW Deutschland GmbH koordiniert. Neben der RKW Sachsen GmbH sind die RKW-Landesgesellschaften Berlin-Brandenburg, Sachsen-Anhalt und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA) Ost regionale Partner. Wissenschaftlicher Begleiter ist die TU Chemnitz. Zum Fachforum KMUflex am 1. März 2011 anlässlich der Industriemessen intec und Z in Leipzig stellten die Projektakteure Ziele, Vorgehensweisen, erste Ergebnisse und beste Praxisbeispiele vor. Kooperationspartner der Veranstaltung war die von der RKW Sachsen GmbH gemanagte Verbundinitiative Automobilzulieferer Sachsen AMZ.
Projektleiter Walter Brückner von der RKW Deutschland GmbH führte aus, dass es ein vielfältiges Verständnis zum Begriff Flexibilität gebe und seit 25 Jahren keine systematischen Untersuchungen dazu erfolgt seien. Insofern sei die Zeit reif für dieses Bundesforschungsprojekt und außerdem sehr interessant vor dem Horizont der gerade absolvierten Krise, der ein hohes Wachstum vorausging und der ein ebensolches folge. Dr. Heiko Baum von der TU Chemnitz erläuterte den Forschungsansatz für das Projekt. Er zielt darauf, unternehmensinterne und -externe Flexibilitätsfelder zu systematisieren sowie deren Anwendung durch KMU zu analysieren. Drei interne sowie vier externe Gruppen von Flexibilisierungsfeldern wurden aus vielen Einzelinstrumenten zusammengefasst. Zu den internen Feldern gehören flexible Arbeitsorganisation, flexible technische Arbeitsmittel sowie Arbeitsflexibilität. Finanzierung, flexible Marktstrategien, überbetriebliche Zusammenarbeit und Arbeitnehmerüberlassung bilden die externen Felder. Aus dem Ansatz soll ein Strategiekatalog sozusagen als „Kochbuch“ für Unternehmen entwickelt werden, in dem fördernde und hemmende Faktoren beim Einsatz bestimmter Flexibilisierungsstrategien beschrieben und Ansätze für das eigene unternehmerische Vorgehen aufgezeigt werden.
Darin fließen u. a. die Befragungsergebnisse von 130 Unternehmen zu ihrem Umgang mit dem Thema Flexibilität ein. Die Firmen kommen aus den industriellen Netzwerken Präzisions- und Feinwerktechnik Sachsen, Maschinen- und Anlagenbau Ostdeutschland, Hochleistungswerkstoffe/Composite Sachsen-Anhalt und Energietechnik/Erneuerbare Energien Berlin-Brandenburg, die von den jeweiligen Regionalpartnern betreut werden. 83 Prozent der Befragten finden sich genügend flexibel, zehn Prozent zu gering. 80 Prozent nehmen für sich in Anspruch genügend stabil zu sein, während hier 15 Prozent Diskrepanzen sehen. Am häufigsten werden die internen Flexibilisierungsinstrumente angewendet, während es bei den externen noch Nachholbedarf gibt. Besonders bei der Finanzierung sind nur bedingt krisentaugliche Strategien vorhanden.
Letzteres bestätigte Johann Varga, Bereichsleiter EXPERT und Prokurist bei der RKW Sachsen GmbH, aufgrund der Erfahrungen in seinem Wirkungsbereich. In seinem Vortrag zeigte er auf, dass eine alleinige Hausbankfinanzierung oft wenig geeignet ist für Wachstums- und Innovationsstrategien. Deshalb gelte es, u. a. durch Beteiligungen oder Nachrangdarlehen die Eigenkapitalkraft zu stärken sowie durch eine intelligente Bilanzpolitik und aktive Finanzkommunikation die Bonität zu erhöhen.
Matthias Voigt, Leiter Forschung und Entwicklung bei der IFC Composite GmbH Haldensleben, legte dar, wie die Unternehmensgruppe durch die Beherrschung von Leichtbau-Technologien eine Flexibilisierung erreichte, die zugleich zu mehr Stabilität führt. Mit der Nutzung von Faserverbundwerkstoffen und der Herstellung serienfähiger Produkte aus diesen Materialien konnten ein neues Geschäftsfeld und damit neue Märkte erschlossen werden.
Dass überbetriebliche Zusammenarbeit die Fachkräftesicherung nachhaltig unterstützt, stellte Dr. Klaus Gersten, Geschäftsführer der T.O.P. GmbH Heidenau, am Beispiel des IMPRO Interessensverbandes Metall- und Präzisionstechnik Osterzgebirge e. V. dar. Hier arbeiten die zumeist kleinen, aber hochinnovativen Unternehmen der Branche gemeinsam daran, in den Schulen der Region den nötigen Berufsnachwuchs zu gewinnen und regelmäßige Weiterbildungen für ihre Mitarbeiter durchzuführen.
Im weiteren Verlauf des Projektes werden u.a. in zwölf Unternehmen Pilotprojekte zum Einsatz von stabilitätsförderlichen Flexibilisierungsmaßnahmen durchgeführt. Die daraus resultierenden Erkenntnisse fließen in den Strategiekatalog ein und stehen KMU als Beratungshilfe zur Verfügung.
Haben Sie Fragen? Dann bin ich gern Ihr Ansprechpartner:
Dr. Jürgen Fritsch
Projektkoordinator
Telefon: 0371 5347-356
E-Mail: fritsch@rkw-sachsen.de
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