AMZ-Beirat diskutiert China-Engagement

Mitglieder des AMZ-Beirates

Lebhafte Diskussionen kennzeichneten das erste Treffen des AMZ-Beirats in diesem Jahr. Im Zentrum stand die Frage, inwieweit sächsische Automobilzulieferer ein Engagement auf dem chinesischen Markt anstreben sollten.

Dr. Werner Olle, Mitglied der zentralen Geschäftsleitung der Schnellecke Group, befürwortet die Erschließung Chinas: „Das ist ein Wachstumsmarkt, der dynamisch ist und einen hohen Bedarf an Technologie vorweisen kann. Die Kontaktaufnahme mit chinesischen Partnern ist empfehlenswert, ebenso wie die Förderung von Joint Ventures“. Dieser Meinung schloss sich Wolfgang Osterode, Geschäftführer der FEP Fahrzeugelektrik Pirna GmbH, an: „Wir haben bereits Joint Ventures in Indien und Japan gegründet. Unser nächstes Ziel ist China. Die Zulieferer breiten sich aus und für uns existiert dort ein entsprechender Markt. Der Unterstützung des Mittelstands bei der Partnersuche messe ich dabei einen hohen Stellenwert bei“.

Dr. Heinrich Binder, Vorstandsvorsitzender der TAKATA-PETRI AG, warnte dagegen vor allzu großem Optimismus: „Bei Joint Ventures besteht die Gefahr, dass deutsches Know-how kopiert und nachgebaut wird. Es ist wichtiger, hier in Europa wettbewerbsfähiger zu sein.“ Wolfgang Neubert, Geschäftsführer der Anchor Lamina GmbH, berichtet, dass chinesische Angebote beispielsweise im Formen-Einkauf um bis zu 45 Prozent günstiger seien. Dem gegenüber stünden höhere Aufwendungen für Management und Nachbesserungen. Wolfgang Osterode sagt, dass z. B. die Teile von FEP hochwertiger und preisgünstiger im Vergleich zu in China produzierten seien. Er sieht den Konkurrenten nicht im Land China, sondern in der Firma, die dorthin ging: „Den Ruf der OEMs, ihnen zu folgen, gibt es schon länger. Viele Teileproduzenten ziehen den Modullieferanten hinterher“. Kleine Unternehmen sind oftmals darauf angewiesen, dass große sie mitnehmen. „Wir werden weiterhin mit Partnern zusammenarbeiten, welche die jeweiligen Regionen bestens kennen und über die entsprechenden Kontakte verfügen. So wie wir es beispielsweise bereits mit Österreich, Ungarn und Polen umsetzen. Unser Hauptziel ist es, den Mittelstand in Sachsen zu stärken“, fasst Helmut Müller, Geschäftsführer des AMZ Projektträgers RKW Sachsen GmbH, die Diskussion zum Thema Erschließung des chinesischen Marktes zusammen.

Im weiteren Verlauf berichtet Peter Claussen, Werkleiter BMW-Werk Leipzig, über das Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD): „Es gibt eine große Anzahl von Organisationen, die Unternehmen ihrer Region fördern wollen. Das ACOD führt die einzelnen Initiativen der fünf ostdeutschen Bundesländer zusammen und übernimmt eine Koordinierungsfunktion. Ziel ist es, die Wettbewerbssituation zu verbessern. Dabei spielt die Informationsgewinnung eine große Rolle. Das ACOD organisiert die Zusammenarbeit, um für die Region einen gemeinsamen Marktplatz zu bieten und die Außendarstellung zu optimieren“. Problematisch sei nur, dass unterschiedliche Entwicklungsstände vorhanden sind. AMZ ist dank des Engagements des Freistaates gut entwickelt. Dazu äußerte sich Siegfried Bülow, Werkleiter Porsche-Werk Leipzig: „AMZ sollte, aufgrund vorhandener Erfahrungen und der daraus resultierenden Kompetenz, eine aktive Rolle im ACOD übernehmen. Automobilhersteller arbeiten in vielen Punkten enger zusammen, als in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Genauso müssen es auch die Zulieferfirmen anstreben“.

Um Sachsen auch in der Zukunft als Topstandort zu sichern, gilt es, den noch existierenden Wettbewerbsvorteil des sehr gut ausgebildeten Personals zu erhalten und weiter auszubauen. Personalsicherung und -gewinnung sind insbesondere für den Automobilbau ein entscheidender Faktor. „Es gibt in Sachsen sehr gute junge Menschen, die durch entsprechende Förderung an die hiesigen Firmen gebunden werden müssen“, stellt Frank-Thomas Heinze, Geschäftsführer Unicontrol, fest. Prof. Cornel Stan schließt sich an: „Wir müssen ein Programm entwickeln, mit dem wir die Abwanderung von Fachkräften stoppen können.“

Matthias Faust, AMZ-Projektmanager, stellte die Zwischenergebnisse der projektbegleitenden Evaluierung vor. Das Institut für Betriebswissenschaften und Fabrikplanung der TU Chemnitz empfiehlt darin die nachhaltige Fortsetzung der Verbundinitiative. „Der Bericht stellt fest, dass AMZ zum gegenwärtigen Zeitpunkt einige Ziele vollständig erreicht hat und die anderen Zielsetzungen aufgrund des derzeitigen Bearbeitungsstandes realisierbar sind. Unsere eingesetzten Methoden und Vorgehensweisen wurden als zielführend bewertet“, sagte Faust. Auf dieser Grundlage beschloss der Beirat die weiteren strategischen Schritte von AMZ. Dazu gehört, Firmen bei der Prüfung eines Auslandsengagements u. a. auch in China durch Machbarkeitsstudien zu unterstützen, ein aktives Engagement im ACOD soll angestrebt sowie ein Fachkräfteprogramm gestartet werden.

www.amz-sachsen.de

Artikel vom 20.06.2005

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