Expertenwissen für REACh und gegen Produktpiraterie: Kooperation mit Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie

Der Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V. (vti) setzt bei aktuellen Herausforderungen wie der neuen EU-Chemikalienverordnung REACh und dem Thema Produktpiraterie verstärkt auf die Kompetenzen des RKW Expert Teams der RKW Sachsen GmbH. vti-Hauptgeschäftsführer Bertram Höfer erläutert im Gespräch mit dem "RKW Sachsen Wirtschaftsbrief" Hintergründe.

RKW Sachsen: Herr Höfer, was genau verbirgt sich hinter REACh?

Bertram Höfer: Das Kürzel steht für die neue europäische Chemikalienverordnung, die seit 1. Juni 2007 in Kraft ist. Sie sieht in mehreren Etappen bis 2018 vor, alle für die Produktion textiler Erzeugnisse notwendigen Stoffe wie Farben und Hilfsmittel für den Veredlungsprozess zu registrieren, zu bewerten und - je nach Gefährdungspotenzial für Gesundheit und Umwelt sowie jährlich erzeugter Tonnage - zuzulassen oder abzulehnen.

Das klingt eigentlich ganz sinnvoll.

Im ersten Moment schon. Doch bei genauer Betrachtung ist damit ein weiterer Wettbewerbsnachteil für die europäische Textilbranche verbunden. Die Erzeugniskosten steigen weiter. Relativ offen bleibt in der 800 Seiten starken Verordnung dagegen, wie Importe aus Nicht-EU-Staaten zu behandeln sind. Außerdem müssen wir damit rechnen, dass kleinere Stoffvolumen, obwohl sie ungefährliche Substanzen enthalten, aus wirtschaftlichen Gründen vom Markt verschwinden. Damit geht auch Know-how verloren.

Wie geht der vti mit dem Thema REACh um?

Wir haben schon in einer sehr frühen Phase Schritte eingeleitet, um unsere Unternehmen optimal auf die Umsetzung dieser neuen Verordnung vorzubereiten. Mit Förderung des Freistaates Sachsen ist ein Projekt entstanden, das Informationen und Handlungsanleitungen gibt. Die Konzentration auf Sachsen kommt nicht von ungefähr, denn hier sind 80 Prozent unserer Mitgliedsfirmen konzentriert.

Welche Rolle spielt das RKW Sachsen in diesem Prozess?

Der Beratungsdienstleister mit ausgewiesenen Kompetenzen für den Mittelstand legte das überzeugendendste Konzept für unser Projekt vor und ging als Sieger aus der Ausschreibung hervor. Wichtig war neben den fachlichen Aspekten auch, dass wir mit dem RKW Sachsen einen Partner an unserer Seite haben, mit dem wir schon seit 1990 gut zusammenarbeiten. In diesem Zeitraum ist viel Vertrauen gewachsen.

Die RKW-Experten haben Workshops vorbereitet und durchgeführt, in denen detailliert über REACh und die Auswirkungen auf die verschiedenen Glieder in der textilen Kette informiert wurde. Etwa zwei Drittel unserer Mitglieder brachten sich aktiv in diese Veranstaltungen ein, die zwischen Juni 2007 und Januar 2008 stattfanden. In der zweiten Projektphase von September 2007 bis Februar 2008 haben die RKW-Expert-Fachleute konkret in vier Unternehmen untersucht, wie sich REACh auf die Abläufe auswirkt und welche Maßnahmen zur Umsetzung dieser Regelungen getroffen werden müssen. Daraus sind nachnutzbare Fallbeispiele entstanden, mit denen wir jetzt gemeinsam einen Leitfaden zum praktischen Umgang mit REACh erstellen. In Veranstaltungen präsentieren wir allen interessierten Unternehmen der Branche die Unternehmensbeispiele und die Handlungsempfehlungen, so zum Beispiel am 21. und 22. Mai 2008.

Sie intensivieren jetzt die Zusammenarbeit mit der RKW Sachsen GmbH. Was sind die Gründe?

Wir haben bei REACh wie auch schon bei vorangegangenen Aufgaben deutlich gespürt, dass für das RKW Sachsen die nachhaltige wirtschaftliche Stärkung der mittelständischen Betriebe oberste Priorität hat. Diese Einstellung und natürlich die Leistungsfähigkeit der beteiligten RKW-Partner erkennen auch unsere Mitgliedsfirmen an. Wir fühlen uns mit unseren Anliegen gut aufgehoben.

Welches weitere gemeinsame Projekt steht gegenwärtig  im Fokus?

Es geht um das brisante Thema Produktpiraterie. Die Zahl von Plagiaten hat im Internet-Zeitalter enorm zugenommen. Wir wollen deshalb in der bewährten Zusammenarbeit mit den RKW-Experten Fälschungen erfassen und dokumentieren sowie die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren. Wir setzen ganz bewusst beim Endkunden an. Er muss begreifen, dass er mit dem Kauf von gefälschter billiger Markenware keine Qualität bekommt, heimische Arbeitsplätze gefährdet und sich nicht selten auch Gesundheitsschädigungen aussetzt. Auch die Importeure, die Händler, den Verbraucherschutz und den Zoll sowie die jungen Menschen in den Schulen  sprechen wir gezielt an und klären über Plagiate auf. Wir erarbeiten gegenwärtig eine Informationsbroschüre, die Referenzbeispiele darstellt und Hinweise gibt, wie Fälschungen zu erkennen sind. Im nächsten Jahr wird, beginnend in Sachsen, eine Wanderausstellung zu diesem Thema auf Reisen gehen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch die gute Zusammenarbeit mit der Sächsischen Aufbaubank (SAB) hervorheben.

 

REACh: Registration, Evaluation and Authorisation of Chemicals

Bei mehr als 90 Prozent der heute verwendeten Chemikalien ist das Wissen nicht ausreichend, um eine Risikobeurteilung dieser Stoffe für die menschliche Gesundheit und die Umwelt vornehmen zu können. Bis heute müssen die Behörden den Herstellern ein Risiko nachweisen, anstatt dass diese die Unbedenklichkeit ihrer Produkte unter Beweis stellen. Und oft kommt die Erkenntnis zu spät: Denn sind die Stoffe erst einmal im Umlauf, werden sie weiter verarbeitet und anschließend in Produkten verkauft, so ist es praktisch unmöglich, sie wieder vom Markt zu nehmen oder gar aus der Umwelt zu entfernen. Seit 1999 arbeitete die Europäische Komission daher an einem neuen Chemikalienrecht. Sein Name "REACh" steht für "Anmeldung, Prüfung und Zulassung von Chemikalien", engl: Registration, Evaluation and Autorisation of Chemicals.

Haben Sie Fragen zu diesem Thema, dann wenden Sie sich an:
Johann Varga
RKW Sachsen GmbH Dienstleistung und Beratung
Prokurist und Bereichsleiter RKW Expert
Tel.: 0351 8322-350
E-Mail: varga(at)rkw-sachsen.de

Artikel vom 16.06.2008

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